Samstag 22. Juni, Start 8 Uhr bis 20 Uhr, 26 km in 12 Stunden(!) mit 1020 HM rauf, 900 HM runter
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Ein langer Tag, eine lange Geschichte.
Unser Gastwirt bringt uns gegen 8 Uhr Früh zurück hinauf nach Masarolis. Bei den Klingenden italienischen Ortsnamen fällt das Pilgern leicht, zumindest die ersten paar Stunden. Masarolis ist ein kleines Bergdorf auf 800m Seehöhe und dennoch geht’s gleich zu Beginn 200 HM höher. Vom Panorama sehen wir nicht viel es ist stark bewölkt. Danach gehts im dichten Laubwald auf einem Forstweg gemächlich bergab. Nach 5 KM kommen wir zu einem verlassenen Grenzübergang zu Slowenien. Ein Selfie ist hier Pflicht. Zwei Wanderinnen kreuzen unseren Weg, wir reden kurz miteinander, dann trennen sich unsere Wege wieder. Gegen 14 Uhr erreichen das Bergdorf Prossenicco. Es ist irritierend ruhig in dem Dorf. Laut Wikipedia wohnen hier 35 Menschen. Die Kirche ist zu, dafür ist ein kleines Museum geöffnet im Pfarrhaus. Es dokumentiert das karge Leben hier. Wir gehen weiter und kommen zu einer winzigen Trattoria mit 3 Tischen und einem Ofen in der Mitte. Eine alte Frau sitzt mit einem halben Liter Wein im Lokal und unterhält sich mit der Wirtin. Hier wird kein Bier getrunken, der Wein ist hier fast so wichtig wie da Wasser. Wir haben doch etwas Hunger und liegen laut Zeitplan gut in der Zeit. Also bestellen wir uns Bier(!) und frisch gemachte Gnocchi mit Sugo.













Wir versuchen etwas Smalltalk zu betreiben. Viel kommt nicht zuStande, hier wird nicht viel geredet. Die Gnocchi sind sensationell flaumig, eine Offenbarung. Wir bleiben viel zu lange, wie sich später herausstellte. Nachdem wir uns gestärkt haben, gehen wir weiter. Die Wirtin sagt das wir in 3 Stunden in Montemaggiore sein sollten. Das macht uns Mut. Im schönen Laubwald geht’s abwärts, wir queren ein paar Bäche und machen Rast bei einem solchen. Wir kühlen unsere müden Füße. Nach einer halben stunde ziehen wir weiter, die Hohen Berge mit dem Gran Monte (1600m) im Blick. Unendlich viele Kehren auf Forststraßen geht es höher. Nach 3 Stunden erreichen wir eine kleine Alm mit Schafen. Das Navi am Handy ist weg, kein Akku mehr. Wir tun uns schwer mit der Zeit Einschätzung. Weit kann es nicht mehr sein, denken wir. Wir kommen zu einer Weggabelung. Wir gehen den linken, kürzeren Weg. Der andere zieht wieder bergwärts, das wollen wir gar nicht mehr heute. Der Linke geht bergab, wir merken schnell, dass wir falsch sind im Dickicht, wir gehen wieder rauf, suchen und finden den richtigen Pfad. Der geht hinunter in eine Schlucht. Wurzeln, Steine, ein Fluss. Ohh!!! Wir sehen uns an und sind kurz ratlos und etwas geschockt. Sabine ist schon sehr müde, es ist schon 18 Uhr und es ist sehr dunkel hier unten. Wir queren den Fluss und sind komplett nass! Drüben geht’s steil bergauf. Keine Gnade für die Wade! Mir geht’s halbwegs gut, das ewige Auf und Ab ist aber auch für mich nicht lustig. Ich versuche Sabine zu motivieren, lenke vom Gehen ab. Gelingt mir nicht immer. Ich höre Motorenlärm, ein Hoffnungsschimmer. Aber wohl nur ein Echo. Es geht wieder runter und wieder rauf. Anstrengend! Mittlerweile ist es 19 Uhr. Wir haben Angst, nichts mehr zum Essen zu bekommen. Kurz vor 20 Uhr sind wir da. Die Dämmerung ist schon hereingebrochen. Sabine erreicht unsere Vermieterin. Sie gibt Entwarnung. Die Trattoria wartet auf uns. Wir sind erleichtert. Wir beziehen unser Zimmer, erledigen noch die Formalitäten, bekommen den Stempel in der Unterkunft und gehen schnell zur Trattoria. Wir sind die einzigen Gäste. Es gibt keine Auswahl beim Essen. Aber wir bekommen eine riesige Speckplatte als Vorspeise, dann Nudeln mit Sugo und Salat.Missverständnisse gibts auch ein paar. Wir bekommen plötzlich eine Teigschüssel voll Salat, wir lachen und freuen uns über die Freundlichkeit. Ihr Mann sitzt in der Küche. Die Wirtin mit Schürze, so wie man sich das vorstellt. Wir essen gut und viel.. Im Dunkeln gehen wir ins Zimmer. Fallen ins Bett, planen noch den nächsten Tag. Glühwürmchen summen uns in den Schlaf. Aus, Schluss für heute.
Tipp des Tages: Wasserfeste Schuhe sind empfehlenswert!

