24. Juni, Start um 08:00-19:00 in 11,5 Stunden, 870HM rauf, 1190 HM runter
Nach einem einfachen Frühstück mit selbstgemachter Marmelade und Brot machen wir uns auf den Weg Richtung Prato di Resia. Wir gehen leicht steigend auf einer Strasse bergauf. Nur wenige Autos sind zu sehen. Nach einer Stunde erreichen wir den Passo Tanamea auf 860M. Ein kleiner Alpenpass, der nach Slowenien führt. Kurz nach dem Pass geht es nach links in einen steilen bewaldeten Berghang hinauf. Man muss sich auch mit den Händen festhalten, um nicht mit dem Rucksack umzufallen. Wir kommen gut voran, sind aber dennoch nicht immer sicher, ob der Weg stimmt. Nach gut 2 Stunden stehen wir vor einem schier unüberwindbaren Hindernis. Ein steiler, mit großen Steinen durchsetzter Graben ist zu bewältigen. Abrutschgefahr! Wir halten kurz inne und nehmen die Rucksäcke ab. Ich hieve beide über den Grashang, so können wir beide die Passage leichter bewältigen. Nach 3 ½ Stunden erreichen wir den höchsten Punkt heute auf 1200 m mit einer kleinen, nicht bewirtschafteten Alm (Nischiurach). Wir haben seit dem Start heute morgen noch keinen Menschen gesehen. Der Telefonempfang ist seit gestern weg. Wir befinden uns wieder nahe der Slowenischen Grenze. Ein idealer Rückzugsort für Bären würde man meinen. Das Wetter ist bewölkt und es hat angenehme Temperaturen zum Wandern. In einem kleinen Wolkenfenster erblicken östlich wir den 2587m hohen Canin.
Auf der uns abgewandten Seite befindet sich ein bekanntes Skigebiet. Wir gehen aber in die andere Richtung einsam auf einer Forststraße leicht bergab. Wenn du hier allein bist und dich verletzt, sind deine Überlebenschancen wohl bei 0. Hier bist du auf dich allein gestellt. Wir gehen auf dem Weg ca 5km in ein Tal hinab. Nach 5 Stunden erreichen wir eine eigenartige Siedlung. Gut ein Dutzend einfacher Steinhäuser sind zu sehen. Aber wieder keine Menschen auf den ersten Blick. Am Dorfeingang von Stavoli Gnivizza, fallen uns große Hinweisschilder auf, in mehreren Sprachen steht geschrieben, dass es hier keinen Handyempfang gibt und man sollte doch die Notrufsäulen mit Satellitenempfang benutzen. Wir sind etwas verwirrt, in welcher trostlosen und einsamen Gegend wir uns hier befinden, scheinbar fern jeder Zivilisation. Wir sind mutig und gehen weiter, da fallen uns 2 Häuser auf, bei denen Autos und Motorräder stehen. Wir gehen zu einem dieser kleinen Häuschen, es entpuppt sich als Mini Dorfwirtshaus oder Einkehr, wie man es bezeichnen will. Es hat geöffnet und wir hören Menschen lachen und reden. Da es gerade zu regnen angefangen hat, kommt uns diese Pause zu Mittag gerade recht. Durst und Hunger haben wir auch. Der zuerst grantige Wirt gibt uns Bier und ein Speckbrot, wir verschlingen beides mit Genuss. Der Besitzer der Mini Trattoria ist dann doch gesprächig und glänzt sogar mit ein paar Worten Deutsch. Wir kommen ins Reden und bekommen von ihm auch noch einen unserer Pilgerstempel. Damit sind wir überglücklich. Nach einer halben Stunde ziehen wir weiter, machen noch einige Fotos dieses pittoresken Dorfes. Das Dorf wird öfters vom Wasser “verschluckt”, dann taucht es wieder auf. Auch ein Grund, warum das Dorf nicht das ganze Jahr bewohnt ist. Wir gehen unzählige steile Serpentinen am Asphalt bergab. Noch immer kein Handy Empfang, wir müssen aber dringend die Unterkunft noch kontaktieren vor 17 Uhr.Da sperren sie zu. Das klingt eigenartig für uns, wir sind unsicher. Gegen 16 Uhr sind wir in einem kleinen Dorf angekommen, das Telefon geht wieder, Gottseidank! Sabine ruft an und gibt Bescheid, dass wir in einer Stunde da sind. Wir kommen also fast pünktlich in Prato di Resia an. Ein kleine zweisprachige Gemeinde mit 933 Einwohnern. Wir sehen die Kirche und gleich daneben fällt uns ein Haus mit der Aufschrift Foresteria. Juhu, wir sind da! Die Foresteria entpuppt sich als Zweigstelle des Nationalpark Julischer Voralpen. In dieser Einrichtung der Gemeinde und des Tourismusverbandes ist eine Pilgerunterkunft mit 20 Betten untergebracht. Zwei nette Damen begrüßen uns und geben uns die Zimmer. Wir schlafen in einem Zimmer mit 4 Doppelstockbetten.
Wir sind heute aber alleine hier und können etwas Privatsphäre genießen. Das tut gut nach so anstrengenden Touren. Das Haus ist sauber und funktional eingerichtet. Ein Geschäft zum Einkaufen von Proviant gibts aber auch hier nicht. Den Pilgerstempel holen wir uns bei den Damen im Foresteria Büro. Wir gehen zum Abendessen nach einer Ruhephase in die einzige bekannte Trattoria im Ort. In der Bar sitzen die Männer des Dorfs am Stammtisch, wie es sich gehört. Wir werden von der Chefin in den Speisesaal gebracht. Auf typisch italienischen kleinen Tischen nehmen wir Platz. Neben uns ein älteres Pärchen, sichtlich auch Fremde wie wir. Nach ein paar Minuten geht eine Tür auf, aus der Küche kommt eine “Oma” mit Kochschürze bekleidet. Es gibt wieder keine Speisekarte, sie würde uns aber Nudeln mit Ragout empfehlen. Das hatten wir schon ein paar mal, aber es ist das einfachste für beide Seiten. Es geht schnell und mundet gut. Hier in den Bergen ist die Auswahl nicht groß. Meist gibts eben Nudeln mit Fleisch, und das ist auch oft Wild aus der Region. Wir nehmen dazu noch lokalen Weißwein und lassen es uns schmecken. Die beiden neben uns sind deutsche Pensionisten. Der Mann ist wohl Wissenschaftler und beschäftigt sich mit der Renaturierung von Almen. Wir hören zu, aber es ist doch etwas anstrengend, seinen wissenschaftlichen Ausführungen zu folgen. Nach dem Essen nehmen wir uns noch 2 Bier mit nach draußen auf die Terrasse und lassen den Tag Revue passieren. Der Nächste Tag ist auch ein großes Thema. Es geht über einen Bergrücken hinüber nach Chiusaforte und dann nach Dogna. Zurück im Zimmer genießen wir die herrliche Aussicht in die Julischen Berge. Wir sehen zum Canin im Osten und südlich in den Bergen oben nach Sella Carnizza, von wo wir heute gekommen sind. Wir sind beeindruckt.
Tipp des Tages: Nutze jede Möglichkeit zur Kommunikation mit Menschen, die du triffst.
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